Die Geschichte Marokkos reicht mindestens 300 000 Jahre zurück — in Jebel Irhoud im Süden wurden die ältesten Homo-sapiens-Fossilien überhaupt gefunden. Die Berber (Amazigh) sind die ursprünglichen Bewohner, und trotz vieler Eroberungswellen bleibt die Berberkultur bis heute das Fundament marokkanischer Identität.
Phönizier gründeten um 1100 v. Chr. Handelsstützpunkte an der Atlantikküste und etablierten Lixus und Mogador (heute Essaouira). Karthago absorbierte diese Kolonien, nach den Punischen Kriegen übernahm Rom — und machte Marokko zur Provinz Mauretania Tingitana mit Volubilis als binnenländischer Hauptstadt. Die römischen Ruinen von Volubilis bei Meknès sind heute noch beeindruckend.
Der entscheidende Wendepunkt kam 670 n. Chr. mit der Ankunft arabischer Armeen und der Verbreitung des Islam. Die erste marokkanische Dynastie, die Idrisiden, gründete 789 Fès — eine Stadt, die zum intellektuellen Herzen des westlichen Islam werden sollte. Die Universität al-Qarawiyyin in Fès, 859 von Fatima al-Fihri gegründet, gilt laut UNESCO als die älteste durchgehend betriebene Universität der Welt.
Die Almoraviden (11. Jh.) und Almohaden (12. Jh.) regierten Reiche, die von Südspanien bis Senegal reichten. Marrakesch, 1062 gegründet, wurde Kaiserhauptstadt. Die Almohaden-Moschee von Tinmal im Atlas und das Koutoubia-Minarett in Marrakesch stammen aus diesem Goldenen Zeitalter.
Nach Jahrhunderten dynastischer Wechsel — Meriniden, Saadier, Alawiten — wurde Marokko nie von den Osmanen kolonisiert, was in Nordafrika eine Seltenheit ist. 1912 wurde ein französisches Protektorat errichtet (Spanien kontrollierte den Norden und die Sahara), doch Marokko erlangte 1956 unter Sultan Mohammed V. seine volle Unabhängigkeit zurück. Sein Sohn Hassan II. regierte 38 Jahre; der heutige König Mohammed VI. ist seit 1999 auf dem Thron und treibt umfassende soziale und infrastrukturelle Reformen voran.
Marokko ist heute eine konstitutionelle Monarchie mit rund 38 Millionen Einwohnern, drei Amtssprachen (Arabisch, Berberisch/Tamazight, Französisch in der Verwaltung) und einer Kultur, die Berberwurzeln, arabisch-andalusische Verfeinerung, subsaharische Handelsrouten und ein Jahrhundert französischen Einflusses aufnimmt — alles sichtbar Schicht für Schicht in jeder Medina, die man durchquert.